Mit der Steigerung der späten Freiheit wächst auch die gesellschaftliche Verantwortung. Ein Rückblick auf den Fachtag der Wissensbörse, welcher am 4. Juni 2009 im SkyDome stattgefunden hat.
Die Wiener Wissenbörse zwischen Generationen widmete sich im Rahmen des bereits traditionellen Fachtages dem Themenbereich "Aktives Altern". Als Fachreferenten konnten der Soziologe Univ. Prof. Dr. Josef Hörl, der Pädagoge und Seniorenbeaufragte der Stadt Wien Friedrich Grundei und der Gesundheitspsychologe und Gedächtnistrainer Mag. Martin Oberbauer gewonnen werden. Die Begrüßungsworte an die TeilnehmerInnen der Tagung richteten Fr. Dir. Dr. Ursula Weber-Hejtmanek, Geschäftsführerin des Wiener Hilfswerks, und Valerie Rücker, Gründerin der Wissensbörse. Spezieller Dank galt Herr Grundei, der im Herbst seinen Ruhestand antreten wird. Seit ihrer Gründung 1990 hat er als Seniorenbeauftragter die Wissensbörse aktiv unterstützt.
Univ. Prof.. Hörl befasste sich in seinem Vortrag mit dem Schwerpunktthema "Bildung im Alter - eine Lebensressource". Erstaunliche Einblicke in die Geschichte des Lesens und Schreibens ("In Schweden konnte bereits um 1700 die gesamte Bevölkerung lesen!"), in die Bedeutung der Bildung für den Einzelnen ("Bildung verschafft Autonomie und Freiheit und regt die schöpferische Phantasie an.") und in die Aspekte der Langlebigkeit von Menschen ("Früher war das Leben kurz und ungewiss, heute ist es lang und vorsehbar") wurden von diesem präsentiert. Die Frage "Was ist Weisheit?" stufte Univ. Prof. Hörl als Fähigkeit ein, Negatives wie den Tod ins Positive zu kehren, ohne ihn zu leugnen; im Alter könne der Lebenssinn voll entwickelt werden, und zwar als Formulierung eines gesellschaftlichen Lebenszieles.
Friedrich Grundeis beantwortete unter dem Titel "Aktiv altern, selbstbestimmt, selbstverantwortet, selbstverwirklicht" die Frage "Was heißt dass - altern?", stellte die Altersbereiche, die Veränderungen, die Altersrollen, die Biographien und die wichtigsten Lebensgüter vor. Man müsse sich auch die Frage stellen, ob "Freizeit" auch "freie Zeit" für die alten Menschen bedeute. Als Seniorenbeauftragter habe er viele konkrete Projekte zur Verbesserung der Situation der betreffenden Altersgruppe geplant und durchgeführt, weitere Umsetzungen von Maßnahmen seien weiterhin wichtig. Medizinorientierte Strukturen sollten zu Gunsten von Förderprogrammen für das Wohlbefinden des Menschen abgebaut werden. Vorhandene Strukturen sollte man überprüfen und in Frage stellen können.
Mag. Oberbauer ging mit den TeilnehmerInnen einige Wege zum Thema "Geistig fit bleiben" durch und forderte sie bei praktischen Übungen zum Mitmachen. Trainingsbücher oder in den Alltag integrierte Übungen könnten die Leistungsfähigkeit des Gehirns hervorragend anregen. Ein förderlicher Lebensstil ist die Basis des Erfolges: Körperliche Bewegung, eine gut gelüftete Wohnung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine ausgewogene, gesunde Ernährung. Die Gehirnzellen werden auch aktiv, wenn wir ihnen Wahrnehmungen oder Verhaltensweisen bieten, die sie nicht gewöhnt sind. Kleine Ausbrüche aus der Routine bewirkten ein wahres Feuerwerk an Nervenaktivitäten. Weitere Möglichkeiten zur Anregung des Gehirns im Alltag bieten Zeiten, zu denen Sie unterwegs sind (z.B. Sagen Sie Worte oder Sätze, die Sie sich ausdenken oder die Sie unterwegs hören, rückwärts!).
Die Einleitung in den Workshop am Nachmittag bildeten Bewegungsübungen, die von Mag. (FH) Stefanie Mauler, Mitarbeiterin im Nachbarschaftszentrum Josefstadt, angeleitet wurden. Die Diskussionsrunde unter der Moderation von Johanna Giovanozzi und Margarete Bonatotzky befasste sich noch intensiv mit den am Vormittag präsentierten Themenbereichen.
Mag. Marko Iljić
Leiter der Wissensbörse